Thüringen feiert 10 Jahre Netzwerk Natura 2000 – Gemeinsam die Naturschätze im Greizer Park entdecken
Anlässlich des Jubiläumsjahrs der Natura 2000-Stationen in Thüringen lud die Natura 2000-Station „Osterland“ am 17.07.2026 Fachbehörden, Kooperationspartner, Weggefährten, regionale Naturschutzakteure und Interessenten ins Sommerpalais des Fürstlich Greizer Parks ein.
Zusammen schauten wir auf die Erfolge und Herausforderungen der letzten 10 Jahre zurück und wagten einen Blick in die Zukunft des Natura 2000-Netzwerkes in Thüringen.
Wertschätzende Grußworte der Vorstandsvorsitzenden des LPV „Altenburger Land“ e.V. als Träger der Station – Doreen Rath, des Altenburger Landrates Uwe Melzer, der Amtsleiterin des Greizer Umweltamtes Kathrin Zschiegner sowie des Amtsleiters des Geraer Umweltamtes Konrad Nickschick, unterstrichen die Bedeutung der Station als verlässlicher Partner im regionalen Naturschutz.
Fachvorträge rundeten das Fachsymposium am Vormittag ab. Unser Mitarbeiter Alexander Schmucker stellte das kürzlich abgeschlossene ENL-Projekt zur Sanierung der Hammerwiesenteiche im Greizer Park vor und erläuterte die Hürden, die im Laufe der langwierigen Antragstellung und Umsetzung überwunden werden mussten. Dietger Hagner – Gartenreferent der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten als Eigentümerin des Greizer Parks, skizzierte die gestalterische Entwicklung des Parks und die Herausforderungen beim Unterhalt dieses wertvollen Gartendenkmals. Dr. Sylvia Jaschinky erläuterte die spezialisierte Lebensweise des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings und dessen Wirtsameisen, von welchem es im Greizer Park das thüringenweit größte Vorkommen gibt.
Nach einer Stärkung führte uns die Exkursion über die geschwungenen Parkwege. Hier konnten nicht nur die Ausführungen zur Parkgestaltung vor Ort nachvollzogen werden, sondern auch der wertgebende streng geschützte Tagfalter hautnah auf den blühenden Parkwiesen aus nächster Nähe bestaunt werden.
Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal bei allen Gästen bedanken, die dieses Jubiläum mit uns begangen haben. Und natürlich bei allen, die uns die letzten Jahre auf diesem Weg begleitet und unterstützt haben.
HINTERGRUND
Der Fürstlich Greizer Park ist nicht nur ein herausragendes Gartendenkmal, sondern auch ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche gefährdete Tiere und Pflanzen.
Auf den extensiv gepflegten Parkwiesen findet sich ein bedeutendes Restvorkommen des europaweit streng geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings – Schmetterling des Jahres 2026 und Wappentier der Natura 2000-Station „Osterland“, für dessen Schutz und Erhalt der Freistaat Thüringen eine besondere Verantwortung trägt.
Natura 2000 ist ein europaweites Netzwerk aus Schutzgebieten, das dem Erhalt wertvoller Lebensräume und der biologischen Vielfalt dient. Die ausgewiesenen FFH- und Vogelschutzgebiete (SPA) bieten Rückzugsräume für zahlreiche bedrohte Arten und tragen zum Erhalt einzigartiger Ökosysteme bei. Gemeinsam bilden diese beiden Gebietskategorien das kohärente Schutzgebietssystem Natura 2000.
In Deutschland umfasst das Natura 2000-Netz etwa 15,4 % der Landesfläche – in Thüringen sind es sogar rund 16,8 %, die sich auf 212 FFH-Gebiete und 44 Vogelschutzgebiete aufteilen und Lebensräume für viele seltene Arten bieten wie das Rebhuhn, den Schwarzstorch, die Gelbbauchunke oder den Feldhamster.
In Thüringen engagieren sich bereits seit zehn Jahren zwölf regionale Natura 2000-Stationen und ein Kompetenzzentrum für den Schutz und die Pflege dieser wertvollen Naturräume. Als deutschlandweit einzigartiges Pilotprojekt des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten haben sich die Stationen als festes Bindeglied zwischen behördlichem und ehrenamtlichem Naturschutz etabliert und sind seit 2019 gesetzlich im Thüringer Naturschutzrecht verankert.
Die Natura 2000-Station „Osterland“ ist seit August 2016 in den Landkreisen Greiz, Altenburger Land sowie der kreisfreien Stadt Gera unter anderem für die Betreuung von 19 FFH-Gebieten, 4 EG-Vogelschutzgebieten sowie 2 FFH-Objekten zuständig. Zu den Aufgaben der Station gehören z.B. die Umsetzung und Kontrolle der Einhaltung der Managementplanung für die EU-Schutzgebiete, die Beratung von Flächennutzern und -eigentümern bei Erstpflegemaßnahmen und der langfristigen naturschutzverträglichen Bewirtschaftung, die Akquise von Fördermitteln für Naturschutzmaßnahmen und die Durchführung von Umweltbildungsmaßnahmen mit Schulen und Kindergärten. Dabei erfolgt stets ein fachlicher Austausch und die enge Abstimmung mit den Fachbehörden vor Ort sowie anderen Akteuren des regionalen Naturschutzes.
Seit ihrem Bestehen konnte die Natura 2000-Station „Osterland“ bislang mehr als 6,5 mio. Euro Fördermittel für regionale Naturschutzprojekte einwerben und für deren Umsetzung überwiegend regionale Fachfirmen gewinnen. Dazu zählen u.a. die Einrichtung einer extensiven Ganzjahresbeweidung auf Auenflächen im Einzugsgebiet der Weißen Elster, die Revitalisierung von Heideflächen im FFH-Gebiet „Pöllwitzer Wald“, die Planung des digitalen Waldlehrpfades im Geraer Stadtwald, die Wiederherstellung zahlreicher Kleingewässer als Lebensraum für geschützte und gefährdete Amphibien sowie die Sanierung und Sicherung von knapp 11.500 Obstbäumen auf insgesamt etwa 170 ha Streuobstwiesen.







