Erlebnis- und Naturlehrpfad im Geraer Stadtwald

Planung und Errichtung eines innovativen Naturlehrpfades im FFH-Gebiet Nr. 187 „Hainberg-Weinberg“ in Gera

In Zeiten von zunehmender Entfremdung von der Natur, rasanten Umweltveränderungen und einhergehendem drastischen Artenverlust spielt das unmittelbare und bewusste Erleben der Natur vor unserer eigenen Haustür eine immer größere Rolle. Umso wichtiger ist die Umweltbildung – für die breite Bevölkerung und besonders den jungen Menschen ab dem Kindergarten- und Grundschulalter. Denn: Nur was man kennt, das kann man auch schützen!

Das FFH-Gebiet Nr. 187 „Hainberg-Weinberg“ liegt mit seiner Gesamtfläche von 300ha vollständig im Landkreis Gera (Stadt) und Bestandteil des Landschaftsschutzgebietes „Geraer Stadtwald“. Die Erhaltungsziele im Gebiet umfassen die Wald-Lebensraumtypen (LRT) Hainsimsen-Buchenwald (LRT 9110), Waldmeister-Buchenwald (LRT 9130), Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald (LRT 9170) und Schlucht- und Hangmischwälder (LRT 9180) sowie Vorkommen der nach Anhang II der FFH-Richtlinie geschützten Fledermausarten Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii), Großes Mausohr (Myotis myotis) und Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Als einziger Offenland-Lebensraumtyp ist der Fuchsklammbach (LRT 3260) ausgewiesen.

Der Geraer Stadtwald besitzt seit Jahrhunderten eine große Bedeutung sowohl für die Naherholung der Geraer Bevölkerung als auch für die naturwissenschaftliche Heimatforschung. Bereits in den 1970er Jahren wurde ein Naturlehrpfad auf dem „Hainberg“ als Rundwanderweg angelegt.
Ziel des ca. 6,5 km langen Naturlehrpfades war es Spaziergänger, Hobbyforscher und vor allem junge Menschen anzusprechen. Der Lehrpfad bot eine attraktive und lehrreiche Möglichkeit, die landschaftliche Schönheit vor der eigenen Haustür zu erfahren und gleichzeitig umfassendes Wissen über die Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der Natur zu erlangen. Nach der Wende gelang es der Geraer Naturschutzbehörde den Pfad mit neuen Lehrtafeln und Ausstattungselementen wieder zu revitalisieren. Allerdings hinterlies die Zeit ihre Spuren und zusätzlich trug der Vandalismus dazu bei, dass der Lehrpfad in den letzten Jahren seinen Erlebniswert stark eingebüßt hat.

Das aktuelle Projekt soll das Ansinnen des ursprünglichen Lehrpfades mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten und engem inhaltlichen Bezug zum FFH-Gebiet „Hainberg-Weinberg“ auf dem ca. 6 km langen Verlauf, in zeitgemäßer digitaler Ausgestaltung wieder zum Leben erweckt werden. Neben einer wegbegleitenden App, die an 12 Stationen altersgerecht und kompakt Wissen zu den wichtigsten Tier- und Pflanzenarten im Gebiet, zu Waldökologie, -entwicklung und -nutzung, wie auch zu Historie und Geologie im Gebiet vermittelt, sollen über eine Homepage weiterführende und das Wissen vertiefende Informationen abrufbar sein. Dabei können z. B. speziell für die „kleinsten“ Lehrpfadbesucher manche Inhalte spielerisch, z.B. über Wissensquiz oder Memory, als eine Art Minispiel, angeboten werden.

Ergänzt werden soll der ursprüngliche reine Waldnaturlehrpfad nun durch eine neue Station an der Weißen Elster, die sowohl inhaltlich als auch im Trassenverlauf in den Lehrpfad eingebunden wird. Zwischen dem Fließgewässer und dem Waldgebiet bestehen vielfältige Beziehungen, und auch die unterschiedlichen Gewässer-Themen selbst bieten zahlreiche Möglichkeiten, Wissenswertes über das Leben im und am Fluss und nicht zuletzt über die Beziehung zwischen Mensch und Fluss zu vermitteln.

Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, an die Tradition des „alten“ Lehrpfades anzuknüpfen und besonders im Rahmen der Umweltbildung unserer jungen Menschen ein praxisnahes Lehr- und Lernobjekt anzubieten. Im Zuge des unmittelbaren Erlebens der Natur bei der Begehung des Lehrpfades sollen die Aufgeschlossenheit für und das Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und Hintergründen geweckt und anschließend im Schulunterricht oder auch bereits im Kindergarten altersgerecht aufgearbeitet und vertieft werden. Zudem können Schulpraktika, Projekttage oder Seminarfacharbeiten sich mit Einzelthemen aus den Lehrpfadinhalten auseinandersetzen.

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, für wertgebenden Arten wie diverse Fledermäuse lebensraumverbessernde Maßnahmen durchzuführen. Dabei geht es insbesondere um die Sicherung und Habitatoptimierung von Wochenstuben-, Sommer-, Schwarm- und Winterquartieren im FFH-Gebiet selbst und im unmittelbaren Umfeld zu diesem. Mit den einzelnen Maßnahmen soll der Erhaltungszustand der jeweiligen Populationen im Gebiet gesichert und verbessert werden. Zudem ist mittels verschiedener technischer Möglichkeiten geplant, Einblicke in das heimliche und geheimnisvolle Leben der Fledermäuse zu sammeln. Die gewonnenen Daten dienen der Aufklärung und Sensibilisierung über diese nach wie vor mit negativem Image besetzte Tiergruppe.

Ziele: Reaktivierung und Modernisierung des Waldlehrpfades im FFH-Gebiet 187 „Hainberg-Weinberg“ und lebensraumerhaltende Maßnahmen für wertgebende Arten

Zielarten: Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr, Mopsfledermaus

Laufzeit: 05/2022 – 03/2023

Kosten: 183.175,11€

Finanzierung: EFRE

Projektbearbeiter: Claudia Preißler

Das Projekt wird finanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE-OP 2014 bis 2020) und des Freistaates Thüringen im Programm „Maßnahmen zur Entwicklung von Natur und Landschaft (ENL)“.

Partner & Förderer